Gesetzeskraft, Jacques Derrida
14 Oktober, 2011
Zeit 4 - Jacques Derrida
"Die Ruine ist in meinen Augen nichts Negatives, kein negativer Gegenstand. Zunächst einmal ist sie offensichtlich überhaupt kein Gegenstand, kein Ding. Ich würde gerne (vielleicht mit Benjamin oder im Gefolge Benjamins, vielleicht aber auch gegen ihn), eine kurze Abhandlung über die Liebe zu den Ruinen, über die Ruinenliebe abfassen. Was kann man denn sonst lieben? Man kann ein Denkmal, eine Bauart, ein Gebäude, eine Institution nur in dem Maße lieben, indem man die prekäre Erfahrung ihrer Zerbrechlichkeit macht: sie sind nicht immer da-gewesen, sie werden nicht immer da-sein, sie sind endlich. Als Sterblicher liebe ich sie genau deshalb, ich liebe ihr Sterbliches, ich liebe sie - sterblich, endlich, durch ihre Geburt und ihren Tod hindurch, durch das Gespenst oder den schattenhaften Umriß ihrer, meiner Ruine, die sie schon sind oder schon andeuten. Wie soll, wie kann man anders lieben als in solcher Endlichkeit? Woher würde sonst - wie würde anders das Recht zu lieben, ja die Liebe des Rechts und des Rechten, (uns zu)kommen?"
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